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Bauteilschonende und anpassungsfähige Demontage

Bauteilschonende und anpassungsfähige Demontage

E-Mail:  wolff@match.uni-hannover.de
Jahr:  2015
Datum:  01-01-18
Förderung:  DFG
Laufzeit:  2018-2022

 

Ein wesentlicher Unterschied zwischen der Neufertigung und der Regeneration komplexer Investitionsgüter ist die Demontage. Um keine zusätzlichen Schädigungen an den Bauteilen zu verursachen, die zu einem höheren Reparaturaufwand oder schlimmstenfalls zum Ausschuss führen, muss die Demontage möglichst bauteilschonend erfolgen. Durch einen anpassungsfähigen Demontageprozess soll eine maximale Bauteilschonung, trotz unbekanntem Produktzustand, erreicht werden. Denn im Gegensatz zur Montage, wo Fügetoleranzen bekannt und damit Fügekräfte abschätzbar sind, ist in der Demontage die Eingrenzung der erforderlichen Zerlegungskräfte aufgrund der Produktbeanspruchungen im Betrieb, wie thermische oder mechanische Belastungen, nicht möglich. Gerade die im Forschungsprojekt betrachtete Hochdruckturbine wird im Betrieb sehr stark beansprucht, so dass nach dem Betrieb die Verbindung der Turbinenschaufeln und Scheibe in einem unbekannten hohen Maß verfestigt ist. Für die Demontageplanung bedeuten unbekannte Demontagekräfte, dass Demontagezeiten und Dimensionierung der Werkzeuge nur grob abgeschätzt werden können und erst im Prozess bestimmt werden oder gar undefiniert bleiben.

Auf Basis von experimentellen und numerischen Untersuchungen wird eine Methode zur Bestimmung der Demontagekräfte entwickelt. Aus dieser können Demontageplanungsparameter wie Werkzeugkräfte oder Demontagedauer abgeleitet werden. Auf Grundlage einer mechanischen Modellierung der Montageverbindung werden in einem lernenden Prozess Demontagekräfte erfasst und den Produkteigenschaften wie Betriebsstunden, Geometrieeigenschaften und betriebsbedingten Belastungen zugeordnet werden. Auf Grundlage einer mechanischen Modellierung werden die Konstruktionseigenschaften entkoppelt, woraus Demontagekräfte für Produktvarianten genutzt werden können, was zu einer effizienten und flexiblen Demontageplanung führt.

Das Demontageverfahren werden mittels eines Piezostapelaktors gezielte Stöße auf die verfestigten Fügepartner erzeugt und die Fügeverbindung dadurch gelöst. Damit kann aus dem bislang unkontrollierten manuellen Herausschlagen mithilfe eines Hammers ein automatisiertes und damit reproduzierbares Demontageverfahren umgesetzt werden. Die Stoßamplituden und Stoßfrequenzen als Stellgrößen werden dabei aus der Demontageplanung als Vorsteuerung implementiert. Mit der konzeptionellen Umsetzung eines Demontagearbeitsplatzes, einschließlich sekundärer Prozesse wie der Handhabung, wird ein gesamter Demontageprozess abgebildet.

Ansprechpartner: Julius Wolff